Walther/Ulm, Modell TPH, Jubiläumsmodell 25 Jahre TPH


Vorbemerkung:

Aufmerksamen Lesern wird eine Ähnlichkeit einiger Textpassagen dieses Artikels mit den Ausführungen zur Walther TPH auf Wikipedia auffallen. Die Wikipedia Seite ist in weiten Teilen jedoch ein Plagiat eines von mir 2014 im Magazin des Verbandes für Waffentechnik und -geschichte e.V. veröffentlichten Artikels. Die Nutzung dieser Textpassagen bei Wikipedia ist durch mich nicht autorisiert und es wurde leider auch kein Quellenverweis auf Wikipedia vorgenommen. Ich habe meinerseits nun wieder Textelemente meines damaligen Print-Artikels verwendet. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis auch die in diesem Artikel veröffentlichten, neuen Informationen ihren Weg zu Wikipedia finden, dann aber hoffentlich mit Quellenangabe.


Zwischen 1908 und 1945 fertigte Walther mit den Modellen 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8 und 9 sehr erfolgreich Taschenpistolen im Kaliber 6,35 mm Browning und 7,65 mm Browning. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte die Enteignung und Zerstörung des Werks in Zella-Mehlis der Produktion ein jähes Ende. Erst um 1950 begann am neuen Standort Ulm erneut die Waffenfertigung - zuerst mit Luftdruck-, kurze Zeit später dann auch mit Kleinkaliber- und Jagdwaffen. Ab 1953 wurden auch wieder Teile für die Modelle PP und PPK gefertigt. Taschenpistolen im Kaliber 6,35 mm Browning fanden sich jedoch zunächst nicht mehr im Programm. Erst 1961 brachte Walther mit dem Modell TP (Taschenpistole) und 1969 mit dem Modell TPH (Taschenpistole mit Hahn) wieder kleine Selbstverteidigungspistolen auf den Markt. Die TPH verdrängte die TP rasch und wurde bis 1999 durchgehend sehr erfolgreich produziert. In der Serienfertigung liefen immerhin 55.137 Pistolen vom Band. Wie das 1969 langsam auslaufende Modell TP wurde auch die TPH in den Kalibern 6,35 mm Browning und .22 lfb produziert. Sie sieht der PPK, abgesehen von der Größe, sehr ähnlich und folgte damit einem erfolgreichen und bewährten Design.

Neben den Standardmodellen wurden auch gravierte Luxusversionen und Jubiläumsmodelle angeboten. Für den US-Markt exportierte Walther zunächst TPH über die Firma Interarms. 1987 begann Interarms eine eigene Produktion von TPH in einer Stainless-Ausführung. Diese Modelle weisen geringfügige Unterschiede im Gewicht, den Magazinen, der Verschlussfeder sowie den Visiermarken auf.

1994, anlässlich des 25-jährigen Produktionsjubiläums, legte Walther eine kleine Serie an Jubiläumsmodellen auf. Wie auch die PPK profitierte die TPH vermutlich nicht unwesentlich vom "Haben-wollen-Effekt", den die überaus erfolgreichen James Bond Agentenfilme ausgelöst hatten. Zwar führte Bond nie eine TPH, die Ähnlichkeit zur PPK könnte aber den Auschlag für den Auftrag zur Fertigung der im Folgenden gezeigten Jubiläumsmodelle mit den Nummer 007 gegeben haben. Doch schauen wir zunächst allgemein auf die TPH der Serienfertigung.


Technik und Patente

Die TPH besitzt einen unverriegelten Masseverschluss. Lauf und Griffstück sind fest miteinander verbunden, die Schließfeder ist um den Lauf angeordnet. Ein Spann- und Entspannstück sowie eine Hahnsperre, wie bei der PPK, gibt es nicht. Der einteilige Schlagbolzen wird von der durchbrochenen Sicherungswalze in Position gehalten (vgl. Deutsches Reichspatent Nr. 578765 vom 7. November 1930). In gesichertem Zustand verhindert die Walze, dass der Hahn den Schlagbolzen erreicht. Zusätzlich erfolgt die Trennung der Abzugsstange von der Abzugsklinke, sodass sich der Abzug ohne Wirkung durchziehen lässt.

Üblicherweise haben die TPH eine tiefschwarze, glänzende Oberfläche, die bei einigen Waffen einen violetten Farbton aufweisen kann. Späte Modelle um und jenseits Seriennummer 300 000 haben ein mattgraues Finish.


Varianten

Im Laufe der Produktion kam es zu mehreren Änderungen:

  • 1970 (ab SN 252 300): Abzugsklinke und Auslösehebel wurden geändert bzw. bei älteren Exemplaren nachgerüstet mittels Einbausatz „Einlage TPH 222 46 07“.
  • März 1986 (ab SN 295 730): Ergänzung des Magazinhalters durch zusätzlichen Stift
  • späte TPH, um SN 300 000: Demontagesicherung, d.h. Abzugsbügel kann nur bei entnommenen Magazin nach unten ausgeschwenkt werden.


Zwei verschiedene Beschriftungsvarianten sind bekannt. Modelle bis etwa Seriennummer 300 000 tragen auf der linken Seite eine zweizeilige Beschriftung:

Carl Walther Waffenfabrik Ulm/Do

Modell TPH Cal. 22l.r. (6,35 mm)


Späte Modelle (beginnend um Seriennummer 300 000) weisen eine vereinfachte, einzeilige Beschriftung auf:

TPH cal .22l.r. (6,35 mm)


Bis etwa zur Nummer 260 000 befindet sich die Seriennummer auf der rechten Griffstückseite hinter dem Abzug. Zwischen 1970 und 1971 wechselt die Position zur rechten Verschlussseite auf die Höhe der Mündung. Bei den späten Modellen ab Nummer 300 000 steht die Seriennumer auf dem Verschlussstück unterhalb des Auswurffensters.


Die für den Export in die USA bei Walther gefertigten TPH haben auf der rechten Seite unterhalb des Auswurffensters die Aufschrift

Interarms [Stern] Alexandria


Die TPH wurde bis 1999 in einer Stückzahl von etwa 35.000 im Kaliber .22 lfb und etwa 20.000 im Kaliber 6,35 mm Browning produziert. Die Waffen wurden ohne Rücksicht auf das Kaliber durchnummeriert. Alle Pistolen weisen eine sechsstellige Seriennummer oberhalb 250 000 auf. Walther fertigte eine Vorserie von 85 Pistolen mit Seriennummern im Bereich 01 bis 111.


Jubiläumsmodell "25 Jahre TPH" und deren Produkionszahlen

Anlässlich des 25-jährigen Produktionsjubiläums der TPH entschloss sich die Firma Carl Walther eine limitierte Anzahl von Jubiläumsmodellen im Kaliber .22 lfb und 6,35 mm Browning aufzulegen.  Verschlussstück, Sicherung, Abzugsbügel und Griffstück wurden mit einer ansprechenden Blattgravur versehen. Veredelt wurden die Pistolen in der Gravierwerkstatt Aichholzer, Ulm. Verschlussstück, Sicherung, Hahn und Abzug wurden grau gebeizt, die übrigen

Patentzeichnung DRP 578765 vom 7. November 1930

Abzugsmechanismus der TPH

Schnittzeichnungen der TPH, unten 6,35mm Browning, oben .22 lfb

Teile schwarz brüniert bzw. eloxiert. Die Griffschalen aus Nussbaum sind mit einer passenden Verschneidung versehen. Waffen beider Kaliber wurden bei CW001 beginnend nummeriert. Zu den Jubiläums-TPH wurden zusätzlich zur serienmäßigen Pappschachtel auch eine Nussbaum-Holzkassette mit Walther Schleife ausgeliefert. Die Echtheit und Zugehörigkeit zur Serie war mit einer Urkunde bestätigt. Der seitens Walther empfohlene Verkaufspreis je Waffe lag bei 2.898 DM. Zeitgenössische Anzeigen listen die Pistole mit 2.500 DM.

Insgesamt wurden 68 Pistolen im Kaliber .22 lfb und 29 Pistolen im Kaliber 6,35 mm Browning gefertigt. Als nummerngleiches Paar entstanden nur 19 Paare. Die hier gezeigte Nummer CW007 im Kaliber .22 wurde im Juli 1996 ausgeliefert, die Waffe im Kaliber 6,35 mm Browning folgte im Februar 1997.

Abmessungen:

Modell

Länge

Lauflänge

Höhe

Breite

Gewicht

Magazinkapazität

Seriennummernbereich

TPH

135 mm

71 mm

93 mm

23 mm

325 g

6

"Nullserie":   01 - 111

Serie:             250.001 - 305.137

Jubiläumsmodell "25 Jahre TPH"

.22 lfb:           68 Stück

6,35 mm:      29 Stück

nummerngleiche Paare: 19

TPH .22 Luxus
TPH .22 Luxus
Walther Taschenpistole TPH Kaliber .22 in der Jubiläumsversion "25 Jahre TPH".
TPH 6,35 Luxus
TPH 6,35 Luxus
Walther Taschenpistole im Kaliber 6,35 mm Browning, Ausführung "25 Jahre TPH".
TPH .22 Luxus, rechte Seite
TPH .22 Luxus, rechte Seite
Walther Taschenpistole, "25 Jahre TPH", Kaliber .22 lr.
TPH .22 Luxus originalverpackt
TPH .22 Luxus originalverpackt
TPH in der Orginalverpackung.
Schachtel Draufsicht
Schachtel Draufsicht
Unmissverständlicher Inhalt: TPH
Nussbaum-Holzkassette
Nussbaum-Holzkassette
Nussbaum-Holzkassette mit Walther Banner
Nussbaum-Holzkassette, innen
Nussbaum-Holzkassette, innen
Nussbaum Holzkassette mit rotem Filz ausgeschlagen. Jede Kiste trägt die Nummer der zugehörigen Waffe.
Urkunde zu Jubiläumspistole
Urkunde zu Jubiläumspistole
Urkunden zu den nummerngleichen Jubiläumswaffen.
Erläuterung Jubiläumspistole
Erläuterung Jubiläumspistole
Mitgeliefert wurde auch eine Erläuterung zum Hintergrund dieser Jubiläumspistole.
TPH .22 Var 1
TPH .22 Var 1
Frühe Schlittenbeschriftung einer "Standard"-TPH.
TPH .22 Var 2
TPH .22 Var 2
Späte, vereinfachte Schlittenbeschriftung einer Pistole in .22 lr.
TPH 6,35 Var 2
TPH 6,35 Var 2
Späte Beschriftung einer 6,35 mm Browning TPH
Interarms Markierung
Interarms Markierung
Importmarkierung einer bei Walther gefertigten TPH für den US-Markt. IE = Beschussjahr 1984.
Magazinhalter
Magazinhalter
Vergleich früher (rechts) und später (links) Magazinhalter, ergänzt mit dem Stift.