Franz Karpinski und Nordflugwerke mbH, Nordflug, Kaliber 4,25 mm Liliput


Die Nordflug-Pistole ist eine der großen Seltenheiten im Bereich der Taschenpistolen. Ich hatte hierüber bereits zu verschiedenen Gelegenheiten im Zusammenhang mit den Liliput Pistolen der Firma August Menz und der ebenfalls extrem seltenen CYKA-Pistole von Franz Karpinski berichtet. Nun hatte ich die einmalige Gelegenheit, eine Nordflug Pistole zu untersuchen, die ich im Folgenden gerne vorstelle.


Geschichte der Nordflug-Pistole

Karpinski meldete ab 1921 insgesamt vier Patente an, die die Grundlage für seine unter dem Namen CYKA vertriebene Selbstladepistole im Kaliber 4,25 mm Liliput bildeten (DRP 361177, 371665, 379810 und 395486). Die drei letzteren Patente waren später die Grundlage für die Menz Taschenpistole Modell Liliput. DRP 395486 erhielt Karpinski im Juli 1923, wobei als Anmelder Dipl.-Ing. Franz Karpinski in Stuttgart-Degerloch und die Nordflugwerke mbH in Teltow-Berlin genannt sind. Dies ist Beleg für Karpinskis kurzes „Intermezzo“ mit der Nordflugwerke mbh. Die Nordflugwerke mbH war am 1. Mai 1920 aus der Norddeutschen Flugzeugwerke Teltow i. Mark hervorgegangen und hatte nach dem Ersten Weltkrieg u.a. Sportboote und Autos produziert. Mit der Nordflugwerke hatte Karpinski aber nun einen Partner gefunden, mit dem er eine verbesserte Variante seiner CYKA anbieten konnte - die Nordflugpistole. Doch wie bereits bei der CYKA, war auch mit der Nordflug kein überragender kommerzieller Erfolg beschieden. CYKA und Nordflug gehören zu den am seltensten anzutreffenden Selbstladepistolen im Winzling-Kaliber 4,25 mm Liliput.

Die Nordflug wurde über die Thüringer Handelsgesellschaft mbH Berlin W. 35, Flottwellstraße 2 vertrieben.


Technik

Bei der Nordflug handelt es sich um eine einfache und solide Konstruktion mit einem aus dem Griffstück gebohrten, gezogenen Lauf und darüber angeordneter Schließfeder. Das hat den Vorteil, dass die Waffe in ihrer Kontur relativ schmal ausfallen kann, da die Schließfeder nicht um den Lauf herum angeordnet und vom Verschluss verdeckt zu werden braucht. Die Abzugsstange ist T-förmig ausgebildet und wird von unten durch eine Feder gestützt. Der obere Arm der Abzugsstange greift - bei geschlossenem Verschluss - in eine Aussparung im Verschlussstück ein. Erst dann kann die Abzugsstange an dem Verbindungsstück zum Abzugsstollen anliegen und ein Schuss ausgelöst werden. Andernfalls wird die Abzugsstange nach unten gedrückt und so vom Abzugsstollen entkoppelt.

Der Schließfederstift verbindet Griffstück und Verschlussstück über eine simple Konstruktion nach dem DRP 361177. Hierzu besitzt der Schließfederstift am hinteren Ende einen Kopf mit einer davor liegenden Einkehlung. Mittels eines Einsatzstücks mit einer Einsenkung für den Kopf des Schließfederstifts, wird der Bolzen gegen den Druck der Schließfeder im Verschlussstück fixiert und hält es so an seiner Stelle. Das Einsatzstück bildet dabei gleichzeitig die Kimme.

Zur Zerlegung drückt man die Pistole mit der Mündung auf eine ebene Fläche, sodass der nach vorne leicht herausstehende Schließfederstift nach hinten gedrückt wird. Dies gibt die die Kimme frei, die nun nach oben aus dem Verschlussstück herausgezogen werden kann. Sodann drückt man den nach hinten herausragenden gabelförmigen Schlagbolzenfederstift nach innen und entkoppelt ihn damit vom hakenförmigen Gegenlager. Dann kann man das Verschlussstück nach oben vom Griffstück abheben. Interessanterweise ist diese Befestigung des Verschlusstücks Gegenstand eines französischen Patents Nr. 603742 von Alfred Menz vom 29. September 1925. Die Nordflug ist damit klar ein Zwischenschritt zwischen CYKA und der Menz Pistole. Karpinskis Handschrift ist unverkennbar.


Auf der linken Seite ist die Nordflug wie folgt markiert:

NORDFLUG

Kal. 4,25 mm

D.R.P


Die Griffschalen sind aus Kunststoff und sind mit dem Kaliber 4,25 in einem Kreis markiert. Das Magazin fasst sieben Patronen und hat auf der linken Seite ein Loch, auf der rechten Seite sieben Löcher zur Ladestandskontrolle.


Technische Daten

Patentanmelder: Karpinski und Nordflug mbH im DRP 395486

Patentzeichnung des französischen Patents Nr. 603742 von Alfred Menz und Paul Kemkes.

Modell

Länge

Breite

Höhe

Lauflänge

Gewicht

Patronen

Kaliber

Nordflug

93 mm

17 mm

66 mm

44 mm

190 g

7

4,25 mm Liliput

Nordflug, linke Seite
Nordflug, linke Seite
Nordflug, rechte Seite
Nordflug, rechte Seite
Nordflug, Griffstück Detail
Nordflug, Griffstück Detail
Gut erkennbar das hakenförmige Widerlager und der Abzugsstollen.
Nordflug, Magazin links
Nordflug, Magazin links
Nordflug, Magazin rechts
Nordflug, Magazin rechts
Nordflug, Abzugsmechanismus
Nordflug, Abzugsmechanismus
Ein recht einfach gestalteter Abzugsmechanismus.
Nordflug, zerlegt
Nordflug, zerlegt
Klar erkennbar ein Hybrid aus CYKA und Menz.