August Menz, Modell III 


Vorbemerkung: 2016 berichtete ich im Waffenfreund, dem Magazin des Verband für Waffentechnik und -geschichte e.V. ausführlich zur Geschichte der Firma August Menz und den von Menz angebotenen Pistolen. Im Internet erschien in Zusammenarbeit mit meinem US-Sammlerkollegen Ed Buffaloe ebenfalls ein ausführlicher Artikel zu Menz. Im April 2021, Dezember 2022 und Dezember 2024 stellte ich die Liliput Pistolen, Liliput Schreckschusspistole und die MENTA als Taschenpistolen des Monats vor. Diesmal soll es um einen Exoten der Menz Selbstladepistolen aus den 1930er Jahren gehen - das Modell III. 


Geschichte von August Menz und des Modell III

August Menz gründete 1905 eine eigene Firma in Suhl, die August Menz Waffenfabrik, und verdingte sich zunächst als Zulieferer für die Waffenbranche. Eine erste Selbstladepistole erschien im August 1913 unter dem Handelsnamen MENTA (Menz-Taschenpistole) eine Pistole im Kaliber 6,35 mm Browning und später 7,65 mm Browning. Diese Pistole wurde über den Ersten Weltkrieg hinweg weiter bis in die Mitte der 1920er Jahre hergestellt. 

Menz starb am 6. September 1918 und sein Sohn Alfred übernahm die Geschäfte, der Name des Unternehmens blieb. 1924 brachte Menz dann unter dem Namen Liliput verschiedene Taschenpistolen (Modell 1925, 1926, 1927, Modell I) sowie eine etwas größere Taschenpistole als Modell II auf den Markt. Die Modell I war auch im Winzig-Kaliber 4,25 mm Liliput erhältlich. Das Modell II gab es vergrößert auch im Kaliber 7,65 mm Browning.


1929 brachte die Waffenfabrik Carl Walther mit der "Polizeipistole" (PP) eine neue, überaus erfolgreiche Selbstladepistole auf den Markt, bei der die Zielgruppe bereits im Namen verankert war. Walther adressierte den Polizei- und Behördenmarkt und ergänzte 1931 sein Portfolio um die "Polizeipistole Kriminal" (PPK).


Der Erfolg dieses Konzepts blieb auch Menz nicht verborgen und so erschien 1933 eine Pistole, deren äußeres Erscheinungsbild recht nah an der Konkurrenz von Walther war. Diese Pistole, bezeichnet als Modell III, war der Startschuss für ein Stakkato verschiedener Menz Modelle (III, IIIa, IV, IVa und PB Spezial) bis 1935.

Das Modell III hatte einen äußerem Hahn, jedoch noch keinen Spannabzug. Das Modell IIIa nutze ein Schlagbolzenschloss. Mit dem Modell IV hielt ein Nur-Spannabzug (double-action only) Einzug, d.h. der Hahn wurde nach dem Schuss nicht gefangen. Das Modell IVa hatte dann bereits einen Spannabzug, wie man ihn von der Walther PP kennt.  Der Abzugsmechanismus der PB Spezial basiert auf einem Patent von Adalbert Kadits. Die Pistole ähnelt äußerlich der Walther PPK. Der Abzug ist zweistufig, d.h. der in seiner Ruheposition befindliche Hahn wird mit einmaligen Ziehen des Abzugs gespannt. Dann muss der Abzug zunächst losgelassen werden, und erst dann lässt sich die Waffe nach erneutem Ziehen des Abzugs abfeuern. Besonders sind die ohne Werkzeug auswechselbaren Läufe in den Kaliber 9mm kurz, 7,65 mm Browning, .22 Zentralfeuer und 4mm M20. Sonderlich erfolgreich war die PB Spezial nicht, sodass zwischen 1934 und 1939 nur etwa 1.000 Waffen gebaut wurden. Damit ist die PB Spezial aber immer noch häufiger anzutreffen als die Modelle III, IIIa, IV und IVa, die nur für kurze Zeit zwischen 1933 und 1934 produziert wurden. 

Menz bezeichnete zunächst alle seine Pistolen ab dem Modell III als "Polizeipistole", was natürlich die Firma Walther auf den Plan rief. Und auch die Namensänderung in "Polizei- und Behördenpistole" (PB) änderte daran nichts. In der Folge führten Walther und Menz Prozesse zur Namensbezeichnung, die Menz schlussendlich verlor. 1938 verkaufte Menz die Firma an die Familie Theodor Bergmann, die das Produktsortiment unter Theodor Bergmann Erben kurzzeitig bis etwa 1940 weiterführte und auch noch die PB weiterentwickelte.


Werbeanzeige für das Modell III, in Der Waffenschmied vom 14. Juli 1933. Der Werbespruch "Kauft nur deutsche Waffen!" ist im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtergreifung im Frühjahr 1933 zu sehen. Menz sah den wachsenden Militär- und Polizeiapparat als potentiell lohnenswerten Absatzmarkt. Der Werbespruch bediente nicht nur nationalistische Töne, sondern steht gleichzeitig auch im Kontext mit der Boykottierung jüdischer Geschäfte ("Kauft nicht bei Juden", "Kauft nur bei Deutschen") ab 1933. Auch in Suhl gab es mit der Firma Simson einen Hersteller, deren jüdische Eigentümer, ab 1933 durch die NSDAP, unter dem Gauleiter für Thüringen, Fritz Sauckel, mit verbrecherischen Methoden aus dem Geschäft gedrängt wurden. Zu Simson hatte ich hier berichtet.

Ladestandsanzeiger auf der Oberseite des Verschlussstücks. Von unten sichtbar ist der Hebel (roter Pfeil), der durch eine im Patronenlager befindliche Patrone aktiviert wird.

Ungewöhnliche Anordnung der Sichtlöcher. Hält man die Waffe beim Laden in der rechten Hand und führt das Magazin mit der linken Hand zu, so erkennt man links am einzelnen Loch lediglich, ob das Magazin ganz gefüllt ist.


Beschreibung und Technik

Beim Modell III handelt es sich um eine Selbstladepistole im Kaliber 7,65 mm Browning mit außenliegendem Schlagstückschloss. Lauf und Griffstück sind fest miteinander verbunden. Die Schließfeder liegt um den Lauf. Das Verschlussstück umschließt den Lauf vollständig und wird auf dem Griffstück durch Führungsnuten gehalten. Das Auswurffenster befindet sich auf der rechten Seite, ebenso wie der Auszieher.

Im Abzugsbügel befindet sich ein Hebel, der - ähnlich wie bei der Walther PP - einen Block in der Verschlussstückbahn hält. Wir dieser Hebel betätigt, so senkt sich der Block und das Verschlussstück kann ganz nach hinten geführt werden. Die Nuten geben dann das Verschlussstück frei und es kann nach oben, vorne vom Lauf abgenommen werden. Eine Besonderheit am Verschlussstück ist der Ladestandanzeiger. Dazu befindet sich auf der Oberseite des Verschlussstücks ein gefederter Kipphebel. Ist das Patronenlager leer, so ragt dieser Hebel ist die Visierlinie hinein. Befindet sich eine Patrone im Patronenlager, so wirkt diese auf den Hebel und die Visierlinie ist frei.

Das Griffstück ist links am Magazinschacht breit ausgefräst, während es rechts, bis auf zwei Löcher, vollflächig geschlossen ist. Der Magazinauslöseknopf sitzt links am Grifftstück vor den Griffschalen und ist bequem zu erreichen. Die Abzugsstange verläuft auf der rechten Seite, unterhalb der Griffschale. Die Hebelsicherung hat eine breite, sehr gut zu bedienende Drückerfläche, sitzt hinten links am Griffstück und wirkt unmittelbar auf den Schlaghahn.   

Die Griffschalen bestehen aus braun meliertem Kunststoff. Sie tragen beiderseits ein verschlungenes AM im Ährenkranz. Das Magazin fasst acht Patronen und hat auf der rechten Seite ein einzelnes Loch, auf der linken Seite sieben Löcher zur Ladestandskontrolle.


Das Verschlussstück ist links beschriftet mit:

"MENZ" P&B PIST CAL 7,65

MOD III 


Rechts bleibt das Griffstück frei. Die Beschusszeichen Krone über N befinden sich hinten rechts am Griffstück, am Verschlussstück und rechts am Lauf.


Insgesamt ist die Pistole sehr massiv, sauber und wertig gearbeitet. Alle Flächen sind poliert und hochglanzbrüniert. Bei nur geringfügig größeren Abmessungen wiegt sie rund 100g mehr als die Walther PPK.


Fazit: 

Vom Modell III sind mir nur wenige Realstücke bekannt, weshalb ich keine verlässlichen Produktionszahlen angeben kann. Da das Modell III zusammen mit den Modellen IIIa, IV und IVa aber nur rund ein Jahr produziert wurde, dürften insgesamt nur wenige Pistolen entstanden sein.

Für Sammler von Menz Taschenpistolen ist das Modell III ein Glücksfund. Die Verarbeitung der Pistole jedenfalls überzeugt, wenngleich dem Modell III noch der Spannabzug fehlt. Gegen die übermächtige Konkurrenz der Walther PPK war aber wohl letztendlich kein Kraut gewachsen. Der Rechtsstreit um den Namen "PB" vs. "PP" dürfte sein Übriges getan haben. Menz hatte sich wohl mit der PB Pistolenreihe verhoben.

Technische Daten


Länge

Lauflänge

Höhe

Breite

Gewicht

Magazinkapazität

Modell III

160 mm

89 mm

105 mm

25 mm

710 g

8

Menz Modell III links
An der Oberseite des Verschlussstücks steht in ungeladenem Zustand der Ladeanzeiger heraus (roter Pfeil). Links oben vor der Griffschale befindet sich der Magazinauslöser.
Menz Modell III rechts
Vorne am Anzugsbügel ist der Zerlegehebel sichtbar mit seiner runden Drückerfläche.
Menz Modell III Draufsicht Verschlussstück
Die Visierlinie ist fein gecheckert, um Reflexionen zu vermeiden. Der Ladestandanzeiger ragt in die Visierlinie.
Menz Modell III zerlegt
Das Griffstück ist links im Magazinschacht offen, während es rechts zwei Löcher aufweist. Die Rückseiten der Griffschalen korrespondieren mit den Ausfräsungen.
Menz Modell III Griffstück rechts
Gut sichtbar die Abzugsstange, die in einer Ausfräsung rechts im Griffstück verläuft.
Menz Modell III Sperrhebel
Am Laufansatz ist der Block (roter Pfeil) erkennbar, der in die Verschlussstückbahn hineinragt und durch Betätigen des Auslösehebel ausschwenkt.
Menz Modell III Schlagstück
Schlagstück und gefederter Abzugsstollen. Oben sieht man die Drückerfläche des Sicherungshebels.