Mauser Selbstladepistole Humpback, 1914 und 1934 im Kaliber 7,65 mm Browning
Vorbemerkung: Sammlern von Mauser Taschenpistolen empfehle ich das hervorragende Buch von Jean Huon, Geschichte der Mauserpistolen. Zudem veröffentlichte mein Kollege Ed Buffaloe zusammen mit Burgess Mason III 2017 einen Artikel Mauser Pistols: 1910, 1914, WTP, HSc. Der nachfolgende Artikel basiert im Wesentlichen auf diesen Quellen sowie auf eigenen Erkenntnissen aus meiner Sammlungstätigkeit und Recherchen.
Geschichte des Modells 1914
Anfang des 20. Jahrhunderts beabsichtigte Paul Mauser, eine Pistolenserie in der Kaliberbandbreite von 6,35 mm Browning bis 9 mm Luger herauszubringen. Unter dem Konstrukteur Josef Nickl entstand zunächst eine Pistole mit Masseverschluss im Kaliber 9 mm Luger, die später maßstabsgerecht auf schwächere Kaliber verkleinert werden sollte. Da sich die 9mm Luger als zu stark für eine solche Konstruktion erwies, konzentrierte sich Mauser zunächst auf das Kaliber 6,35 mm Browning. Eine entsprechende Pistole kam 1910 als Mauser Selbstlade-Taschenpistole auf den Markt. Darüber hatte ich hier berichtet.
Bereits 1908, so berichten Buffaloe und Mason, hatte Mauser gegenüber der Deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen angekündigt, eine Pistole im Kaliber 7,65 mm Browning als Antwort auf Brownings Modell 1900 anbieten zu wollen. Dennoch mussten die Käufer bis 1914 warten, bis Mauser dieses Vorhaben realisierte.
Am 10. Mai 1914 berichtete das zweiwöchentlich erscheinende Magazin Der Waffenschmied, dass Mauser ein neues Modell der 6,35 mm Pistole herausgebracht habe und demnächst eine Pistole im Kaliber 7,65 mm anbieten werde. Die neue Pistole sei technisch weitgehend identisch zur Mauser Selbstladepistole, jedoch schwerer und ballistisch leistungsfähiger.
Am 25. Mai 1914, kurz vor Paul Mausers Tod am 29. Mai 1914, erscheint die erste Werbeanzeige in Der Waffenschmied und kündigt ein Modell im Kaliber 7,65 mm Browning ab dem Spätherbst 1914 an. Der geplante Verkaufsstart des Modells 1914 überschneidet sich mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 und so erscheinen wortgleiche Werbeanzeigen noch bis weit nach 1915 hinein.

Der Erfinder, Paul Mauser, 1908


Patentzeichnung zur Laufbefestigung, DRP 215812
Modelle und Modellvarianten
Das Modell 1914 durchlief im Laufe der Entwicklung eine Reihe von Änderungen, die Buffaloe und Mason in insgesamt sechs Varianten mit einigen Untervarianten unterteilen. Ich orientiere mich an dieser Gliederung.
Erste Variante - Modell 1914 "Humpback"
Buffaloe und Mason vermuten, dass erste Prototypen der neuen Pistole im Kaliber 7,65 mm Browning bereits um 1912 mit Einführung des o.g. Patents entstanden sein müssen. Aufgrund ihrer charakteristischen Form des Verschlussstücks gegenüber den späteren Serienmodellen, werden diese Pistolen auch "Humpback" (engl. Buckeliger) genannt. Insgesamt werden vier Varianten unterschieden
Subvariante 1 (bis SN 300):
Diese Pistolen haben die Seriennummer auf der Oberseite vor der Kimme eingeschlagen. Die Pistolen tragen auf der rechten Seite des Verschlussstücks eine dreizeilige Beschriftung:
WAFFENFABRIK MAUSER A.G.
OBERNDORF A.N.
MAUSER’S PATENT
Der Auszieher hat eine Flaschenform. Die Deckplatte weist an der Unterseite einen rechteckigen Ausschnitt auf. Es finden sich unterschiedliche Lauflängen von 86 mm (Seriennummernbereich unter 200) sowie 108 mm (Seriennummernbereich 200 bis 300).
Subvariante 2 ( SN 300 bis 2000)
Die Seriennummer wandert nun auf die vordere, linke Seite des Verschlussstücks. Es finden sich drei unterschiedliche Lauflängen (86 mm, 108 mm und 132 mm) sowie mit teils leicht unterschiedlicher Position des Korns.
Subvariante 3 (SN 2000 bis 2590)
Ab Seriennummer 2000 findet sich ein veränderter, jetzt gerader Auszieher.
Subvariante 4 (SN 2590 bis 3000)
Der Ausschnitt auf der Deckplatte entfällt und die Adresse auf dem Verschlussstück lautet nun:
WAFFENFABRIK MAUSER A.G.
OBERNDORF A.N. MAUSER’S PATENT
Nach rund 3.000 Exemplaren wird die "Humpback" eingestellt. Sie gehört damit zu den seltenen Mauser Pistolen.
Zweite Variante - Modell 1914 (SN 2850 bis 13500)
Um Seriennummer 2850 wird die Kontur des Verschlussstücks verändert und der Buckel verschwindet, wodurch sich auch das Gewicht leicht erhöht. Die Pistolen tragen die Beschriftung:
WAFFENFABRIK MAUSER A.G.
OBERNDORF A.N. MAUSER’S PATENT
Dritte Variante - Modell 1914 (SN 13500 bis 290100)
Es handelt sich hierbei um die am häufigsten anzutreffende Variante, die ab 1914 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs produziert wurde. Die seitliche Beschriftung lautet:
WAFFENFABRIK MAUSER A.G. OBERNDORF A.N. MAUSERS PATENT
Um SN 162000 wird auf der rechten Seite des Verschlussstücks das Kaliber wie folgt angegeben:
MAUSER - 7,65
Es gibt hierzu leicht unterschiedliche Schrifttypen.
Um SN 172000 wird gelegentlich auf das Mauser-Logo auf der Schlossplatte verzichtet.
Gelegentlich finden sich Pistolen mit Fangriemenöse.
Ab etwa SN 277.000 verschwindet die rechteckige Ausfräsung im Griffstück auf der rechten Seite oberhalb der Griffschale.
Erstmals tauchen bei dieser Variante auch Griffschalen aus schwarzem Kunststoff auf. Die Magazine haben drei Schlitze auf der linken Seite. Der Magazinboden weist bei niedrigeren Seriennummern einen "T"-förmigen Einschnitt auf; bei höheren Seriennummern findet sich eine halbmondförmige Vertiefung.
Vierte Variante - Modell 1914 (SN 290100 bis 467700)
Nach dem Ersten Weltkrieg produzierte Mauser das Modell 1914 weiter. Die seitliche Beschriftung lautet nun:
WAFFENFABRIK MAUSER A.G. OBERNDORF A.N.
MAUSERS PATENT
Frühe Pistolen haben kein Mauser-Logo auf der Schlossplatte, später wird dieses wieder eingeführt.
Auf der rechten Seite findet sich die Kaliberangabe:
MAUSER – 7,65
Diese Angabe wird ab SN 461000 geändert auf:
Cal. 7,65
Es finden sich zudem unterschiedliche Kornformen (halbrund, angeschnitten) sowie Holz und Kunststoffgriffschalen.
Fünfte Variante - Modell 1914 (SN 467700 - 526000)
Bereits 1922 hatte sich die Waffenfabrik Mauser umbenannt, was dann schlussendlich auch in einer geänderten seitlichen Beschriftung des Verschlussstücks ab 1928 umgesetzt wurde.
MAUSER-WERKE A.G. OBERNDORF A.N.
Auf der rechten Seite findet sich sich die Kaliberangabe sowie ein Verweis auf Patente:
Cal. 7,65 D.R.P.u.A.P.
Ab etwa SN 475000 wird der vordere Teil der Laufhaltefeder durch ein Stanzteil ersetzt; kurz danach, ab SN 476000, wird auch der gefräste Magazinhalter durch ein Stanzteil ersetzt.
Zudem finden sich ab SN 475000 Fangriemenösen. Ab SN 496000 wird die Seriennummer in einer Ausfräsung versenkt.
Sechste Variante - Modell 1934 (SN 526000 bis 617000)
Am augenfälligsten ist beim Modell 1934 die Einführung eines bulligen, nach hinten ausgestellten Griffs, den es sowohl in Holz wie auch in Kunststoff gibt. Auch finden sich zwischen SN 529000 und 539000 Pistolen mit Fangriemenöse.
Um SN 529000 wird die Kaliberbeschriftung auf der rechten Seite in der Schriftgröße angepasst. Ab SN 577000 wird der Beschuss von "Krone U" nach "Adler N" umgestellt.
Die Mauser 1914 war standardmäßig brüniert. Es gab jedoch auch vernickelte Ausführungen. Als Zubehör war ein 4mm M20 Einlegelauf erhältlich.
Mit der Einführung des Modells HSC ab 1937 endete die Produktion des Modell 1934.
Fazit
Das Modell 1914 war mit rund 620.000 hergestellten Waffen überaus erfolgreich und wurde knapp 25 Jahre in einigen Varianten produziert. Die Varianten zeugen von konstruktiven oder fertigungstechnischen Vereinfachungen und von der wechselvollen Geschichte der Mauserwerke.
Man muss bedenken, dass ab 1929 die Firma Walther bereits mit der PP und ab 1931 mit der PPK aufwartete und damit ein modernes Konkurrenzprodukt mit DA-Abzug anbot. Dass in dieser Zeit dennoch noch rund 100.000 Mauser-Pistolen Modell 1914 bzw. 1934 verkauft werden konnten spricht für das Renommee des Unternehmens und die Qualität der Konstruktion.
Die konstruktionsbedingten und fertigungstechnischen Änderungen bieten ein günstiges Feld für angehende Sammler zur Anlage einer Sammlung.
Werbeanzeige zum Modell 1910/14 und Modell 1914. Der Waffenschmied, 25. Mai 1914

Schnittzeichnung der Humpback Pistole, Quelle: Bedienungsanleitung.
Unterschiedliche Kornform, halbmondförmig und angeschnitten. Der Drücker zur Laufhaltefeder ist links aus Stahlblech gebogen, rechts gefräst.


Teileverzeichnis. Quelle: Bedienungsanleitung.

Patentzeichnung zur Sicherung, DRP 225891

Unterschiedliche Formen des Magazinhalters: links gefräst, rechts aus Stahlblech gebogen.

Varianten der linksseitigen Beschriftung des Verschlussstücks.


Unterschiedliche Magazinböden: T-förmiger Einschnitt Mauserlogo, halbmondförmige Einbuchtung.
Technik und Patente
Bezüglich der zugrunde liegenden Patente verweise ich auf meinen Artikel zu den kleineren Modellen 1910. Die Technik des Modells 1914 ist weitgehend identisch zum kleineren Modell 1910/14. Es liegt bereits das zum 20. September 1912 erwirkte Patent, DRP279890 - "Sperrvorrichtung an selbsttätigen Feuerwaffen", zugrunde. Dieses beschreibt einen auf den Verschluss wirkenden und durch das Magazin bewegten Sperrkörper, der zugleich eine Magazinsicherung darstellt, also bei nicht eingeführtem Magazin den Abzug sperrt.
Die Pistolen der Modellserie 1914 haben eine einteilige Griffschale aus Kunststoff oder Holz. Das einreihige, acht Patronen fassende Magazin ist im Griffstück untergebracht. Der Magazinhalter befindet sich an der Unterseite des Griffstücks. Zunächst ist der Magazinhalter gefräst, später aus einem Blech gebogen. Das Verschlussstück ist durchbrochen, sodass der Lauf zu sehen ist, mit einem Auswurffenster auf der rechten Seite. Der Lauf ist starr und wird durch den Laufhalter in Position gehalten. Der Laufhalter besitzt an der Vorderseite einen gefrästen Knopf, der später aus Blech gebogen wird.
Die Pistole ist mit einem Schlagbolzenschloss ausgestattet. Wenn der Schlagbolzen gespannt ist, ragt dessen Ende durch eine Bohrung an der Hinterseite des Schlittens sicht- und fühlbar nach außen. Die Sicherung befindet sich links und kann bequem mit dem Daumen bedient werden. Beim Entsichern wird durch den Druck auf den Knopf der unter der Griffschale angeordneten Sicherungssperrfeder das federbelastete Sicherungsstück in seine Ausgangslage bewegt. Der Kimmenausschnitt ist U-förmig, das Korn ist halbmondförmig oder schräg abgeschnitten. Magazine finden sich in polierter, vernickelter oder brünierter Ausfertigung. Zur Ladestandkontrolle haben sie seitliche Schlitze oder Sichtlöcher. Es gibt drei unterschiedliche Magazinböden: T-förmiger Einschnitt, halbmondförmige Einbuchtung oder glatt mit Mauser Logo.
Technische Daten
Unterschiedliche Sichtlöcher des Magazins. Stahlblech und brünierte Ausführung.
Modell | Länge | Breite | Höhe | Lauflänge | Gewicht | Patronen | Seriennummern |
Humpback, 1914, 1934 | 153 mm | 27 mm | 110 mm | 87 mm | 600 g | 8 | 1 - 617000 |
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